13. Erarbeitung eines Bibeltextes

Ein Bibeltext wird im allgemeinen die Grundlage jedes Abend sein, deshalb soll im folgenden die Erarbeitung eines Bibeltextes in sieben Schritten dargestellt werden.

1. Gebet
Du erarbeitest den Bibeltext nicht zu deiner Ehre, sondern um Menschen zu dienen und ihnen zu helfen. Gott will dir bei dieser Aufgabe helfen. Bitte ihn im Gebet um seine Hilfe und seinen Segen. Wie heißt es in einem alten Spruch: "An Gottes Segen ist alles gelegen." Verzichte nie darauf!

2. Den Text Lesen
Wenn du dir einen Text herausgesucht hast, der für dein Thema die richtige Grundlage bildet, fange an, ihn genau, sorgfältig und mehrmals zu lesen. Lies ihn langsam und benutze verschiedene Übersetzungen. (z.B. Luther 84, Gute Nachricht oder Hoffnung für Alle.)

3. Den Text verständlich machen
Die Begriffe, Ereignisse, Situationen und Bilder des Textes, die unklar sind, mit einem Stift kenntlich machen. Die Bibel ist ein Werkbuch, deshalb nur keine Hemmungen, etwas anzustreichen.
Die unklaren Dinge können nun abgeklärt werden. Dabei können einige Hilfsmittel gute Dienste leisten. (z.B. Bibellexikon, Konkordanz, Begriffslexikon, Bibelatlas, Wörterbuch)
Wichtig ist, daß man sich vor Augen hält, welche sozialen Bedeutung im Text verborgen ist. (z.B. sind heute Witwen und Waisen vom Staat versorgt, aber früher gab es nur ein Hoffen auf Almosen)

4. Die Parallelstellen lesen
Die Parallelstellen sind die kleinen, am Abschnitt und an einzelnen Versen angegebenen Textstellen. Sie weisen daraufhin, daß

· der Abschnitt in ähnlicher, vergleichbarer Form noch einmal in anderen Evangelien auftaucht,

· der Vers durch Vergleichsmöglichkeiten und Erklärungen anderer Textstellen verständlicher wird. (à Grundsatz: Die Bibel erklärt sich am besten durch die Bibel!)

Die Parallelstellen können eine große Hilfe sein manche Dinge besser zu verstehen. Die große Gefahr liegt darin, daß man sich durch die Analyse der Parallelstellen vom eigentlichen Text entfernt. Deshalb Achtung!

5. Der Textzusammenhang
Es ist wichtig den gewählten Text nicht isoliert zu sehen, sondern im großen Zusammenhang der Geschichte. Dabei ist es unerheblich, ob man einen Evangelientext bearbeitet oder einen Geschichte aus dem Alten Testament nimmt. Die Fragen, die uns jetzt beschäftigen sollen, sind:

· Wo befinde ich mich in der Geschichte?

· Was steht konkret vor meinem Text?

· Was dahinter?

Um diese Fragen beantworten zu können, muß man sich einiger Hilfsmittel bedienen.

· Am Beginn eines jeden Evangeliums, aber auch an allen anderen Büchern der Bibel, steht eine Kapiteleinteilung. Sie ist gegliedert durch die Ereignisse. Auf diese Art kann man sehen, in welchem Abschnitt der Geschichte der Text steht.

· Als nächstes sollte man die Überschriften der vorhergehenden Kapitel lesen. Sie vermitteln einen groben Überblick über die Dinge, die sich im Vorfeld abgespielt haben. (à Hinweis: Die Überschriften sind eine nachträgliche Einteilung aus dem letzten Jahrhundert. Nicht jede Bibelübersetzung hat sie übernommen.)

· Der Textabschnitt, der deinem Text vorhergeht und nachfolgt solltest du aber vollständig lesen. Viele Verständnisfragen finden dadurch oftmals ihre Erklärung.

6. Die Textdramatik
Bei der Textdramatik ist es wichtig, die eigentliche Handlung des Textes zu verstehen. Es bleibt noch zu sagen, daß man durch die fett bzw. kursiv gedruckten Textstellen abgelenkt werden kann. Sie verführen dazu, den Rest des Textes als nicht so entscheidend einzustufen. Daher sollte man diese "Fettaugen" zunächst wie alle anderen Verse behandeln.
Die Textdramatik zu erkennen geht am besten, wenn man einen Fragenkatalog erstellt, der den Text öffnet. Der folgende Fragenkatalog ist nicht vollständig und sollte von Fall zu Fall erweitert werden.

· Wo ist die Handlung des Textes?

· Gibt es eine Unterbrechung, einen Sprung?

· Wo liegt der Höhepunkt?

· Wie verhalten sich die Personen?

· Ist ihr Verhalten natürlich oder unnatürlich?

· Gibt es außergewöhnliche Reaktionen?

· Wie hättest du dich in dieser Situation verhalten? (z.B. In der Rolle des Jüngers, des Blinden, der Menge?)

Dieser Abschnitt ist der Umfangreichste der Textbearbeitung. Man kommt schnell dahin, daß man nicht mehr so sorgfältig die Zusammenhänge durchfragt, aber ich möchte Mut machen, an der Analyse festzuhalten, weil sie die Grundlage zum richtigen Textverständnis ist.

7. Die Hauptaussagen
Jetzt kommt der wichtigste, aber auch der gefährlichste Punkt der Textbearbeitung.

Warum?
Ein Hauskreis ist keine theologische Gesprächsrunde. Du mußt jetzt die wissenschaftliche Textanalyse verlassen, und aus den erarbeiteten Erkenntnissen maximal drei Hauptaussagen herausnehmen, die du zur Grundlage deines Hauskreises nehmen willst.
Dabei solltest du die Situation deiner Teilnehmer immer vor Augen haben. (Das sind z.B. die Fragen: Was ist für die Teilnehmer jetzt wichtig? Wie weit sind die Teilnehmer? Wie weit sind die Teilnehmer? Wer sitzt mir gegenüber?)
Noch einmal: Versuche nicht dein ganzes analysiertes theologisches Wissen in den Hauskreis einzubauen. Das Wissen soll allein dir helfen, den Text richtig zu verstehen. Die formulierten Hauptaussagen dagegen haben die Teilnehmer als Gegenüber im Blick.

Warum maximal drei Hauptaussagen in einem Hauskreis?
Die Erfahrung zeigt, daß sich Hauskreisteilnehmer maximal auf drei verschiedene Aspekte eines Bibeltextes konzentrieren können. (à Lieber Qualität als Quantität.)

Abschlußbemerkung:
Wie du feststellen konntest, ist die Erarbeitung eines Bibeltextes mit vielen Schritten verbunden. Es hat sich aber gezeigt, daß durch die zunehmende Erfahrung, sich manche Arbeitsschritte verkürzen, manche sogar vollkommen wegfallen.

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